Streit um Spielvorteile in World of Warcraft: Bots vor dem BVerfG

von Maximilian Amos

09.03.2017

Darf ein Drittanbieter sogenannte Bots für ein Online-Spiel verkaufen, die dem Spieler helfen, durch Automatisierung seine Ziele schneller als die Mitspieler zu erreichen? Mit dieser Frage könnte sich nun das BVerfG auseinandersetzen.

 

Das Online-Rollenspiel World of Warcraft (WoW) hat es nicht nur unter Videospielern zu großer Beliebtheit gebracht, sondern ist wegen seines Erfolgs auch in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit angekommen. WoW ist ein Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel, bei dem gleichzeitig mehrere tausend Mitspieler mithilfe von Fantasy-Charakteren eine virtuelle Welt bevölkern und verschiedene Aufgaben lösen oder Kämpfe bestreiten, um Erfahrungspunkte zu sammeln.

Tatsächlich ist es für viele Spieler aber nicht nur ein netter Zeitvertreib, sondern kann durch den Verkauf von hochgespielten Accounts sogar eine ernsthafte Einnahmequelle darstellen. Die Käufer müssen dann nicht von vorn anfangen, sondern können beispielsweise direkt die Inhalte für Spieler mit höheren Leveln oder mehr Spielgeld ("Gold") nutzen.

Bots sparen Zeit und verschaffen so Vorteile

Um schneller ein solch höheres Level zu erreichen oder viel Gold anzuhäufen, kommen sogenannte Bots zum Einsatz, deren Name vom englischen "robot" (Roboter) herrührt. Dabei handelt es sich um Softwareprogramme, die zum Beispiel in Abwesenheit des Spielers Aufgaben im Spiel lösen oder benötigte Naturalien im Spiel einsammeln und ihm so eine Menge Zeit sparen - und damit auch einen Vorteil gegenüber Spielern verschaffen, die keine Bots einsetzen. Aus diesem Grunde verbieten viele Spieleentwickler den Einsatz in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Bots sind somit in der gesamten Branche ein heiß diskutiertes Thema.

Der umstrittene Einsatz von Bots wurde von der WoW-Entwicklerfirma Blizzard Entertainment Inc. vor deutschen Gerichten erfolgreich angegriffen. Nun ruft die Firma Bossland GmbH, welche Bots für WoW vertreibt, das Bundesverfassunsgericht (BVerfG) an. LTO liegt die entsprechende Verfassungsbeschwerde vor.

Darin monieren die Firma Bossland und ihr Geschäftsführer, vertreten durch Härting Rechtsanwälte, einer für Medien- und Internetrecht bekannten Berliner Kanzlei, jeweils als Beschwerdeführer eine Verletzung ihrer Grundrechte aus Art. 12 und Art. 3 I Grundgesetz (GG). Gemäß Art. 19 III GG können sich auch juristische Personen wie Unternehmen auf Grundrechte berufen, sofern diese ihrem Wesen nach auf sie anwendbar sind.

Bossland im Zivilverfahren zur Unterlassung verurteilt

Sie wenden sich damit gegen die Entscheidungen der Gerichte im Zivilverfahren gegen die Blizzard Entertainment Inc., die allesamt dem gegen den Vertrieb der Bots klagenden amerikanischen Unternehmen Recht gaben. Blizzard hatte sich dabei auf § 4 Nr. 4 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) berufen und eine gezielte Behinderung ihres Geschäftes durch den Vertrieb der Bots geltend gemacht. Daraufhin wurde Bossland zur Unterlassung verurteilt, zuletzt durch den Bundesgerichtshof (BGH) (Urt. v. 12.01.2017 - Az.: I ZR 253/14).

Bots machen einen großen Teil des wachsenden Spielemarktes aus, auf dem in Deutschland im Jahr 2015 Umsätze von mehr als 2,8 Milliarden Euro erzielt wurden. Neben Hardware stellt auch Software wie eben jene für Bots Gaming-Zubehör dar.

"Ehrliche" Spieler könnten sich abwenden

Bossland bietet für WoW Bot-Programme namens "Honorbuddy" und "Gatherbuddy" (sogenannte Buddybots). Blizzard untersagt die Nutzung von Bots in den AGB aber zu Recht, da durch die Missachtung der Spielregeln das Spiel in unlauterer Weise untergraben und verändert werde, so dass das Unternehmen die vorgesehenen Inhalte im Rahmen eines Abo-Modells nicht mehr vermarkten könne, urteilte der BGH.

Der Einsatz der Buddybots könne im Blick auf die Reaktionen der sich regelkonform verhaltenden Spieler erhebliche wirtschaftlich nachteilige Auswirkungen auf den Vertrieb des Spiels haben, weshalb eine unlautere Behinderung durch ihren Vertrieb vorliege.

Blizzards Nachteile als Konsequenz des Wettbewerbs?

Die Bossland GmbH führt dagegen in ihrer Verfassungsbeschwerde an, die Einhaltung der Spielregeln eines Computerspiels gehört nicht zu den Schutzanliegen des Wettbewerbsrechts, denn die Fairness des Spiels habe nichts mit der Lauterkeit des Wettbewerbs zu tun.

Ein Verbot des Vertriebs könne auch nicht mit dem Argument gerechtfertigt werden, die Spieler würden dadurch zum Verstoß gegen die AGB verleitet. Dass Mitbewerber einander Kunden abwerben, liege im Wesen des Wettbewerbs, auch wenn die Kunden dabei die Verträge und AGB der Konkurrenz missachteten, so der Bot-Programmierer. Etwaige Nachteile für Blizzard seien dem freien Wettbewerb zuzurechnen. Schließlich sei die Herstellung von Zubehör nicht verboten und wesentlicher Teil von Fortentwicklung und Innovation auf dem Markt.

Vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung monieren die Beschwerdeführer zudem, dass die grundsätzlich nur inter partes geltenden AGB keine Auswirkung auf die Geschäfte Dritter haben dürften, bloß weil es sich dabei auch um Spielregeln handele.

Das BVerfG wird also mit gleich mehreren Fragestellungen konfrontiert, was nicht nur die Spielewelt mit großem Interesse verfolgen wird.

Zitiervorschlag

Maximilian Amos, Streit um Spielvorteile in World of Warcraft: Bots vor dem BVerfG. In: Legal Tribune Online, 09.03.2017, http://www.lto.de/persistent/a_id/22311/ (abgerufen am: 29.04.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 09.03.2017 13:12, Hartmut Schiller

    Ich wäre überrascht, wenn das BVerfG die Beschwerde überhaupt annehmen würde.

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    • 09.03.2017 13:47, Jemand_NRW

      Sehe ich ähnlich.

      Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg.

    • 09.03.2017 16:08, Botuser

      ...gibt es dafür noch 1-2 Argumente oder muss ich raten, warum die Verfassungsbeschwerde Ihrer Meinung nach keinen Erfolg haben wird?

    • 09.03.2017 18:49, Olaf Wolters

      Das Verfahren ist absoluter Nonsens. So ein Verfahren hätte schon nicht zum BGH gemusst. Das ist ein klarer Fall.

  • 09.03.2017 16:58, Rogue

    @Botuser
    Der BGH hat in seinem Urteil zu Recht unlautere Praktiken angenommen.
    Gäbe es das IP (intellectual Property) von Blizzard nicht, so würde auch der Bossland GmbH ihre Grundlage entzogen. Das Anbieten der Drittprogramme ist zentriert auf die Spiele von Blizzard (oder anderen). Man verhält sich hier also wie ein Parasit und versucht dann noch, dieses parasitäre Verhalten über verfassungsmäßige Rechte einzufordern?

    Als WoW Spieler muss ich dem im Beitrag bereits angesprochenen Argument beipflichten, dass ich als "ehrlicher Spieler" tatsächlich davon absehen könnte das Blizzard Produkt weiter zu verwenden, wenn diesen Bot Programmen Tür und Tor geöffnet würde.

    Ebenfalls interessant finde ich zu erwähnen, dass jeder Account ( also auch die Botaccounts) eine Lizenzvereinbarung mit Blizzard eingehen, in dessen AGB ausdrücklich die Verwendung von Drittanbieterprogrammen ausgeschlossen werden. Inwiefern kann ich nun eine Einschränkung meiner Berufsfreiheit geltend machen wollen, wenn diese daraus besteht vorsätzlich die AGB eines Dritten zu umgehen.

    Ähnlich wie die Gold Verkäufer damals hat man ein Schlupfloch gefunden faule und unehrliche Spieler zu bedienen. Warum Menschen in Spielen "betrügen", um sich einen Vorteil zu verschaffen ist eine andere Frage. Jedenfalls muss man diesem Verhalten jedoch rechtlich keine Grundlage schaffen, wenn es die Stammkundschaft eines Unternehmens negativ beeinflusst ( in deren Spielerlebnis)

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    • 10.03.2017 15:03, CL

      Achja die bösen botter....auch in Zeiten wo eigtl nur noch instanzen gebottet wurden die einfach 0 interaktion mit dem auktionshaus oder anderen spielern ergaben wurde rumgeheult über die bösen goldfarmer/seller aber blizzard verkauft jetzt selber das gold und keine sau juckts, böse böse goldfarmer.

  • 09.03.2017 21:33, GameDesigner

    Hört sich für mich nach einem verzweifelten Versuch an, die Existenz-Grundlage der Firma zu retten.

    In der Sache sehe ich weder, inwiefern die Grundrechte ihrem Wesen nach überhaupt auf die Firma anwendbar wären, noch, inwiefern die Beschwerde sinnvoll Bezug darauf nimmt...

    Auf der anderen Seite bin ich aber natürlich auch kein Jurist ;)

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  • 10.03.2017 00:54, Drakthul Bloodgreed

    Unfassbar wie dreist diese Firma ist. Bots haben WoW und auch Diablo3 bereits zu Grunde gerichtet. Blizzard hat aufgrund der Bits seine Gameentwicklung so angepasst, dass Bots obsolet wurden. Gold, Ehre und Handwerksmaterialien müssen nicht mehr gefarmt, also erspielt werden. So verloren die Spieler ihren Spielspaß, da die fleißigen, der harte Kern der Spieler nichts mehr zu tun hatte. Die Bots haben also indirekt das Spiel sehr stark geschädigt. Seit Jahren ( Wow wurde jetzt 12 Jahre alt) verliert das Spiel seine Kunden.

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    • 21.03.2017 03:11, lol

      Ähm nein mit Legion wurde ein neuer Höchststand an Spieler erreicht sogar mehr als zu Beginn von Cata heißt also es müssten mindestens 12 Millionen Spieler wieder aktiv gewesen sein!

  • 10.03.2017 02:45, blub

    Ich habe mir soeben noch mal die Zusammenfassungen der BGH-Verfahren auf www.spielerecht,de durchgelesen (http://spielerecht.de/bossland-vs-blizzard-verhandlung-gegen-bot-anbieter-am-bgh-12/ und http://spielerecht.de/bossland-vs-blizzard-verhandlung-gegen-bot-anbieter-am-bgh-22/). Wenn das so zutreffend ist, sehe ich es wie Herr Wolters, Das ist doch Nonsens.

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