Grasel und "Dr. Borchert": Die Anwälte hinter Zschäpe

09.12.2015

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe gibt ihr Schweigen auf. Ihre Erklärung, mit der sie die Beteiligung an allen Morden des NSU bestreitet, verliest gerade ihr neuer Verteidiger. Wer ist Mathias Grasel?

 

Immer still und scheinbar unbeteiligt - so verhält sich der vor gut einem Vierteljahr engagierte Münchner Anwalt Mathias Grasel bisher im Prozess gegen seine Mandantin Beate Zschäpe. Jetzt hingegen, wenn Zschäpe nach zweieinhalb Jahren Prozessdauer erstmals lächelt und ihr Schweigen bricht, spielt er die zentrale Rolle.

Grasel ist mit seinen 31 Jahren zwar jung und hat wenig Erfahrung, ist aber offensichtlich ehrgeizig. Er wolle ein "erfolgreicher Jurist" werden, schrieb er schon 2003 in der Abiturzeitung seiner Schule in Tettnang am Bodensee.

Regelmäßige JVA-Besuche seit einem Jahr

Eines hat er immerhin geschafft: Im Münchner NSU-Prozess bestimmt jetzt er die Strategie der Hauptangeklagten Zschäpe und nicht mehr ihre drei ursprünglichen Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm - drei gestandene Strafverteidiger, die vor dem Bundesgerichtshof in einem anderen Fall schon einmal eine Anklage wegen Mittäterschaft zu Fall brachten. Sie wurden von Nachwuchsmann Grasel ausgestochen.

Der hatte seinen Coup offensichtlich lange vorbereitet. Schon seit rund einem Jahr soll er Zschäpe immer wieder in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim besucht haben. Er soll ihr auch geholfen haben, mehrere Briefe an das Gericht zu schreiben, als sie ersuchte, Heer, Stahl und Sturm loszuwerden. Einer endet mit einem Postscriptum, in dem Zschäpe andeutet, sie wolle "etwas" aussagen - wenn das Gericht ihr Grasel zuteile. Sie bekam ihren Willen. Und jetzt bekommt das Gericht wohl tatsächlich ihre Aussage.

Dass ausgerechnet Grasel den vielleicht schwierigsten Strafprozess Deutschlands in eine völlig neue Richtung dreht, das hätten ihm wohl nur wenige zugetraut. Er wirkt schüchtern und pennälerhaft, ganz anders als sein Kanzleiprimus Hermann Borchert, den sich Zschäpe zusätzlich als Wahlverteidiger genommen hat. Borchert arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Strafverteidiger - so lange, wie Grasel alt ist.

Borchert ohne Doktortitel

Jetzt fordert Zschäpe, das Gericht möge auch Borchert als Pflichtverteidiger für sie engagieren. Er wäre dann Pflichtverteidiger Nummer 5. Seit sie sich im Juli 2014 kennenlernten, "genießt Dr. Borchert mein vollstes Vertrauen", schreibt Zschäpe. Der Brief liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Wobei "Dr. Borchert" tatsächlich kein promovierter Doktor ist, wie Zschäpe zu glauben scheint. Auf seiner Internetseite firmiert er als "JUDr", diesen Titel bestätigt er auch auf Nachfrage. Er wird in Tschechien und der Slowakei vergeben, zeigt aber nur an, dass der Träger sich qualifiziert hat, seinen Doktor erst zu machen.

Auf einigen Anwaltssuchportalen ist dieser Unterschied allerdings auch nicht angekommen - auch dort ist Borchert als Doktor eingetragen. Warum? "Das weiß ich nicht", sagt Borchert. Er werde das ändern lassen.

dpa/una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Grasel und "Dr. Borchert": Die Anwälte hinter Zschäpe. In: Legal Tribune Online, 09.12.2015, http://www.lto.de/persistent/a_id/17800/ (abgerufen am: 28.07.2016)

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Kommentare
  • 11.12.2015 01:20, Tom Hofmann

    Das ganze NSU Theater ist doch eine Lüge hoch 10 . Wer steckt hinter den unvorstellbaren Lügen?
    Wer Probleme hat das zu verstehen, dem empfehle ich nach "Fatalist" zu googeln und evtl auch Killerbee, wobei das aber ein Spinner ist. Hat aber dennoch gute Berichte eingestellt

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  • 11.12.2015 07:59, SMüller

    Herr Borchert selbst nimmt auf seiner Webseite ausdrücklich Bezug auf eine angebliche Doktorarbeit. Damit distanziert er sich nicht etwa vom Doktortitel, sondern stützt diese Fehlinformation zusätzlich. Wettbewerbsrechtlich bedenklich...

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  • 11.12.2015 12:53, DSittner

    "Dass ausgerechnet Grasel den vielleicht schwierigsten Strafprozess Deutschlands in eine völlig neue Richtung dreht, das hätten ihm wohl nur wenige zugetraut. "

    Tut er ja auch nicht. Eine vergeigte Einlassung, die noch daran erinnern wird, was passiert, wenn man nicht auf seine Verteidiger hört, sondern auf Einflüsterungen der Knastspezln. Doch, das hat man den zwei neuen Verteidigern vollkommen zugetraut.

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  • 18.12.2015 06:02, Petra

    Das stimmt nicht. "JUDr." ist in Tschechien und in der Slowakei ein offizieller gängiger Doktortitel. Mittlerweile wird JUDr. vom PhD. abgelöst.
    Ein JUDr. wird von einer juristischen Fakultät oder Polizeiakademie verliehen, wenn man dreijährige Berufspraxis nachweisen kann, ein Doktorandenstudium absolviert hat, eine übliche Dissertation geschrieben hat und erfolgreich seine Arbeit vor einer Prüfungskommission in einer mündlichen Prüfung verteidigt hat.

    Die Anforderungen an ein PhD. sind höher. Man muss mehr wissenschaftliche Aufsätze/ Papers veröffentlichen.
    In den o.g. Ländern ist ein Trend zu beobachten. Die Träger des alten JUDr. Titels, machen PhD. nach.
    PhD. ist aus ihrer Sicht wertvoller da es ein internationaler anerkannter Titel ist.

    Natürlich ist ein Doktorandenstudium in diesen Ländern wesentlich einfacher als bei uns. Kaum einer übernimmt eine Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters an einem Lehrstuhl oder kann eine Lehrtätigkeit nachweisen.

    An der mährischen Universität in Brün werden jährlich 280 PhD. Studenten aufgenommen, die innerhalb von 1-2 Jahren fertig sind. Das man von Qualität nicht sprechen kann, ist mir persönlich auch schon klar. Es gibt aber auch Ausnahmen. Oder wir hoffen es zumindest.

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