Samsung Galaxy Tab
Ernste Konkurrenz fürs iPad
05.11.2010

Bild: Samsung
"Und wie nennt man das schon wieder?" wird sich der eine oder andere genervte Zeitgenossen fragen. Fürwahr, Samsung neues Galaxy Tab macht es einem nicht leicht: Es ist zu groß für ein normales Smartphone, für ein Tablet mit seinem 7-Zoll-Display aber zu klein – nimmt man das iPad (9,7-Zoll-Bildschirm) als Maßstab. Der Vergleich mit dem Apple-Gerät lässt sich nicht vermeiden, schließlich hat der Rummel rund um das iPad ein Gerät wie das Galaxy Tab überhaupt erst ermöglicht.
Das Galaxy Tab ist eigentlich ein überdimensioniertes Smartphone: Man kann damit nämlich telefonieren. Da das Gerät aber in etwa die Ausmaße einer DVD-Hülle hat, muss man zu Headset oder Freisprechanlage greifen, was gut funktioniert. Im Gegensatz dazu nutzt das iPad die Mobilfunknetze nur zum Datentransfer, Anrufe sind nicht möglich.
Handlicher, aber nicht edler
Aufgrund seiner kompakteren Größe hat das Samsung-Gerät einen entscheidenden Vorteil: Es lässt sich bequem mit nur einer Hand nutzen. Auch wegen des geringeren Gewichts kann man beispielsweise in der U-Bahn mit einer Hand einen Griff umklammern und mit der anderen trotzdem das Galaxy Tab halten, um darauf zu lesen.
Was das Design betrifft, so kommt keiner an Apple vorbei, das iPad wirkt edler. Das liegt am Material: Sein Gehäuse besteht aus Aluminium, jenes des Galaxy Tabs aus Kunststoff. Beim Thema Bildschirm schenken sich die beiden Elektronikriesen dagegen nichts: Wie das iPad hat auch das Galaxy Tab einen gestochen scharfen, leucht- und farbstarken (Touch-)Bildschirm. Samsung setzt bei der Texteingabe auf die neuartige "Swype"-Methode. Dabei wird nicht jeder Buchstabe einzeln angetippt, sondern kreuz und quer von Buchstabe zu Buchstabe über den Schirm gewischt. Das ist zunächst ungewohnt, aber mit Übung sehr effektiv – diese Eingabeart hat es sogar schon ins Guiness Buch der Rekorde geschafft.
Noch nicht ganz optimierte Oberfläche
Als Betriebssystem kommt Android 2.2 (Froyo) zum Einsatz. Diese (aktuelle) Version der Google-Plattform ist zwar sehr gut, aber nicht auf Tablets ausgelegt. Das trifft vor allem die Apps aus dem Android Market: Sie laufen zwar allesamt auf dem Tab, aber nur die wenigsten sind tatsächlich für das große Display optimiert. Sie werden entweder in ihrer (kleineren) Originalgröße dargestellt oder unscharf auf Vollbildgröße aufgeblasen. Erst die kommende Android-Version wird eine auf Tablets zugeschnittene Oberfläche mitbringen, Samsung will das für diesen Herbst/Winter angekündigte Android 3.0 (Gingerbread) per Update nachliefern.
Trotz dieser Schwierigkeiten erweist sich die Android-Bedienung als bequem. Was die grafische Oberfläche betrifft, ist es sogar flexibler als sein iPad-Pendant. Technisch läuft es absolut flüssig, kein Ruckeln stört das Multimedia-Vergnügen. Das ist beim iPad nicht anders, kein Wunder, steckt in beiden doch der gleiche Prozessor: der ARM Cortex A8.
Thematische Hub-Räume
Die Inhalte des Galaxy Tab sind in vier so genannten "Hubs" gebündelt: Social Hub, Readers Hub, Media Hub und Music Hub. Die "Soziale Drehscheibe" fasst etwa E-Mail, Netzwerke wie Facebook oder MySpace und Dienste wie Twitter zusammen. Der Readers Hub ist die Anlaufstelle für alles, was mit Lesen und Büchern zu tun hat. Laut Samsung stehen zur Markteinführung über zwei Millionen Bücher sowie rund 2.500 Magazine und mehr als 1.600 Zeitungen zur Auswahl – derzeit aber vor allem noch in Englisch. Der Music Hub ist Samsungs Variante des iTunes Store, bei der Musikfunktion kooperiert man mit dem Anbieter 7digital. Der Movie Hub bleibt dagegen vorerst verwaist, der Filmdienst startet zunächst nur in den USA, ein deutsche Variante soll später nachgereicht werden.
Bei der Ankündigung des Preises musste man zunächst die Luft anhalten, als UVP hatte Samsung nämlich 799 Euro angegeben. Das auch nicht gerade günstige iPad gibt es dagegen schon für 599 Euro. Mit einem Mobilfunkvertrag kostet das Galaxy Tab aber deutlich weniger.
Zitiervorschlag
Witold Pryjda, Samsung Galaxy Tab: Ernste Konkurrenz fürs iPad. In: Legal Tribune ONLINE, 05.11.2010, http://www.lto.de/persistant/a_id/1871/ (abgerufen am 21.05.2012)
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