Rezension: Geht nur mit Prosecco

von Tanja Podolski

01.11.2016

Zwei Anwältinnen haben ein Buch geschrieben. Das Werk "Paragraphen und Prosecco" der Cousinen ist allerdings selbst für das Genre "seichter Frauenroman" vorhersehbar.

 

 

Es gibt viele Juristen, die gut schreiben. Franz Kafka zum Beispiel. Johann Wolfgang von Goethe. Über E.T.A. Hoffmann lässt sich dann schon ebenso streiten wie über, na ja, zum Beispiel Bernhard Schlink. Doch alle diese Literaten hatten Ideen für ihre Geschichten, gute Ideen, die sie mit einer besonderen Gabe für Sprache umgesetzt haben  – an dieser Einschätzung kann man nicht ernsthaft rütteln. 

Dass es auch ohne geht, nur eben nicht besonders gut, beweisen die beiden Cousinen und Anwältinnen Janine Achilles und Katharina Mosel in "Paragrafen und Prosecco" (Untertitel: "Justitia und das wahre Leben").

Die Story an sich könnte funktionieren

Der Plot ist schnell erzählt: Karla ist 28 Jahre, beschrieben als nette, aber tollpatschige Volljuristin ohne Stil und – oh je! – ohne angemessene Garderobe für die Kanzlei- Weihnachtsfeier. Seit einigen Monaten arbeitet sie befristet in einer Kanzlei am Neuen Wall in Hamburg. Sie "hatte Jura studiert, weil sie den Menschen helfen wollte".

Auf der Weihnachtsfeier trifft sie Ida wieder. Die hat bereits vor ein paar Jahren ihr Examen gemacht, kurz als Anwältin gearbeitet und ist dann schwanger geworden. Ihr Sohn ist fünf Jahre alt – und Ida ist mit einem der Partner aus Karlas Kanzlei verheiratet. Als Anwaltsfrau und Mutter ist sie unzufrieden – dabei trägt sie doch Kostüme von Jil Sander und Marc Cain. Warum die beiden sich, obwohl so viele Jahre auseinander, seinerzeit im Studium so gut kennengelernt haben, bleibt das Geheimnis der Autorinnen. 

Es spielt aber auch keine wirkliche Rolle: Ida ist eine totale Macherin und überzeugt Karla, ihre eigene Kanzlei zu gründen. Zufällig werden in dem Gebäude, in dem auch Idas Mann arbeitet, Büroräume frei. Und damit ist Karlas netter Ausbilder aus der Kanzlei gleich in der Nähe. Dass die beiden zusammen kommen, ahnt man allerdings bereits auf Seite 25 von 289.

Zitiervorschlag

Tanja Podolski, Rezension: Geht nur mit Prosecco. In: Legal Tribune Online, 01.11.2016, http://www.lto.de/persistent/a_id/21016/ (abgerufen am: 23.07.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 02.11.2016 13:32, Rechtsanwalt Alexander Würdinger,München

    Grüß Gott Frau Podolski,

    vielleicht haben Sie die zündende Idee, was ich mit meinem Manuskript anstellen könnte: Mein Manuskript ist 200 Seiten dick. Es handelt von einem realen Rechtsfall, dessen Sachverhalt bis ins Jahr 1997 zurückreicht. Die handelnden Figuren darin gibt es tatsächlich, nur eben alle unter anderen Namen. Ich habe mir sogar die Mühe gemacht, die z.T. recht komplizierten Sachverhaltselemente bzw. Rechtsbegriffe (z.B. die Klage nach dem Anfechtungsgesetz oder auch die sog. Kollegialgerichtsrichtlinie) allgemein verständlich zu umschreiben.

    Mit dem Manuskript bin ich die letzten Monate von Literaturagentur bzw. Verlag zu Literaturagentur bzw. Verlag gelaufen, immer mit demselben Ergebnis: Das Manuskript passt in kein Programm. Das Manuskript liegt "quer" zu den geläufigen Genres.

    Ich will in meinem Manuskript ein paar Sachen vermeiden. Ich will z.B. ganz ohne Sex und ganz ohne Psychiatrie auskommen. Ganz einfach, weil auch der Original-Rechtsfall ganz ohne Sex und ganz ohne Psychiatrie auskommt. Offenbar steht das aber der "Marktgängigkeit" im Wege. Es verkaufen sich offenbar diejenigen Bücher von der Machart des rezensierten Buches prima, egal wie platt und vordergründig das Buch ist.

    Viele Grüße aus München

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 03.11.2016 10:32, Toubib

      Vielleicht sind die Wortkrieger eine Alternative? Das Feedback dort kann sehr hilfreich sein.

      http://www.wortkrieger.de/content.php

      Manchmal kriegt man recht deutliche Kritik aber das ist man ja aus der Juristenausbildung gewohnt.

    • 03.11.2016 16:22, Rechtsanwalt Alexander Würdinger, München

      ... Danke für den Hinweis, mal sehen, ich bin für jede Hilfe ehrlich dankbar.

  • 04.11.2016 11:56, Jemand_NRW

    Gute Rezension - auch wenn ich das Buch selbst nicht gelesen habe, was sich auch nicht mehr ändern wird... ^^

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  • 11.01.2017 15:51, Leserin

    Danke für diesen Artikel. Ich sehe das ganz genauso.

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