Noise-Cancelling-Kopfhörer
Willkommen in der Ruhezone
19.07.2010

© Edyta Pawlowska - fotolia.com
Wenn es eine Auszeichnung für das "Geräusch des Jahres" gibt, dann steht der Preisträger 2010 schon jetzt fest: das Dauertröten der Vuvuzelas bei der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft. Nur wenige Tage nach Beginn der WM hatten aber findige Akustik-Experten die Lösung parat: Eine Audio-Software eliminierte das Geräusch fast vollständig durch den umgangssprachlichen "Antischall". Vereinfacht erklärt werden dabei Schallwellen mit passenden Gegenwellen ausgelöscht, physikalisch wird dabei eine Amplitude durch eine destruktive Interferenz verringert.
Adieu, Motorendröhnen!
Vielfliegern und Bahnreisenden ist das Prinzip schon länger bekannt: So genannte Noise-Cancelling-Kopfhörer eliminieren störende Geräusche wie etwa das Dröhnen von Flugzeugturbinen. Der Effekt ist nur schwer zu beschreiben, wenn man ihn nicht selbst erlebt hat. Wer die Kopfhörer aufsetzt, ist wie unter einer Käseglocke von Lärmbelästigung ausgeschlossen.
Ein Wundermittel sind diese Kopfhörer allerdings nicht. Sie funktionieren besser, je konstanter das zu filternde Geräusch ist. Entsprechend funktionieren sie am besten bei den bereits erwähnten Triebwerken, in der U-Bahn oder am Arbeitsplatz, wenn etwa eine Klimaanlage brummt. Gegen lautstark telefonierende Kollegen können sie aber nichts ausrichten, da die Software, die die passenden Gegenwellen ausrechnet, mit Sprache nicht zurechtkommt.
"Aktive" Geräuschunterdrückung (im Gegensatz zu "passiver", die einfach nur die Ohren möglichst gut abschirmt) hat allerdings einen großen Nachteil: Sie benötigt Strom. Dies bedeutet, dass Batterien oder Akkus eingebaut sind. Geht diesen der Saft aus, ist es auch mit der Ruhe vorbei. Doch nicht alle dieser Kopfhörer lassen sich auch ohne Lärmfilter nutzen, also für "normales" Musikhören, und bleiben deshalb im schlimmsten Fall komplett stumm.
Die eingebaute Elektronik hat einen weiteren Nachteil: Sie ist verhältnismäßig schwer, weshalb die Kopfhörer etwa zum Joggen ungeeignet sind. Der größte Nachteil ist ganz profan: NC-Kopfhörer sind spürbar teurer als herkömmliche und erst ab etwa 100 Euro zu haben.
Dazu kommt, dass sie bei Audiophilen umstritten bis ungeliebt sind, da sie trotz ihres hohen Preises nicht so gut klingen wie herkömmliche und günstigere Modelle. Anmerken sollte man in diesem Zusammenhang allerdings, dass kein menschliches Organ ein so subjektives Empfinden hat wie das Ohr, weshalb Klangqualität auch kaum objektiv messbar ist.
Die Besten im Überblick
Neben der deutschen Firma Sennheiser zählt vor allem das US-Unternehmen Bose zu den Pionieren dieser Technik. Bose ist heute auch der bekannteste Hersteller von Noise-Cancelling-Kopfhörern und lässt sich das auch durchaus bezahlen.
Bose QuietComfort 3: Mit rund 400 Euro ist das Spitzenmodell von Bose auch das teuerste. Sie sind in der so genannten On-Ear-Passform gebaut, das heißt, dass sie auf dem Ohr aufliegen – im Gegensatz dazu umschließen Around-Ear-Geräte das komplette Ohr wie eine Muschel. Die QuietComfort 3 überzeugen durch ihren bequemen Sitz und ihren verhältnismäßig guten Audio-Klang. Großer Nachteil: Geht die Batterie zu Ende, verstummt auch der Kopfhörer.
Sony MDR-NC500D: Durch die digitale Erfassung von sowohl Schall als auch Gegenschall arbeitet das Sony-Modell sehr effektiv, auch der Klang ist überdurchschnittlich. Wie bei Bose funktioniert der Around-Ear-Kopfhörer ausschließlich bei aktiver Rauschunterdrückung und somit nicht bei leerem Akku, allerdings liefert Sony für diesen Notfall ein Batterie-Pack mit. Preis: circa 300 Euro.
Sennheiser PXC 300: Im Vergleich zu den zuvor erwähnten Modellen ist der On-Ear-Kopfhörer von Sennheiser mit 65 Gramm ein absolutes Leichtgewicht. Bose (159 Gramm) und Sony (195 Gramm) machen sich beim Tragen schon deutlicher bemerkbar. Die Lärmunterdrückung funktioniert zwar zufriedenstellend, gelegentlich stört aber ein leises Restrauschen die Ruhe. Preis: circa 230 Euro.
Zitiervorschlag
Witold Pryjda, Noise-Cancelling-Kopfhörer: Willkommen in der Ruhezone. In: Legal Tribune ONLINE, 19.07.2010, http://www.lto.de/persistant/a_id/1010/ (abgerufen am 21.05.2012)
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