E-Reader
Qualitäts- und Preisoffensive soll Durchbruch bringen
16.09.2010

Medion Oyo. Bild: buch.de
In der Marketingabteilung von Apple ist man es gewohnt, sich über die Konkurrenz lustig zu machen. Liebstes Ziel spöttischer TV-Werbungen ist natürlich Microsoft. Doch wer austeilt, muss auch einstecken können: Kindle-Macher Amazon zieht in einem aktuellen Spot nämlich ordentlich über das (mindestens 500 Euro teure) iPad her: Da liest eine Bikini-Schönheit am Pool entspannt auf ihrem Kindle, während der iPad-User auf der Liege nebenan verzweifelt versucht, das spiegelnde Display von der Sonne abzuschirmen. Und nebenbei, so die Dame zum Schluss, habe ihre Sonnenbrille mehr gekostet als ihr 140-Dollar-Kindle.
Die Retourkutsche von Apple könnte das lesende Pärchen einige Stunden später zeigen, nämlich bei Dämmerung. Dann hätte der Apple-Nutzer alle Trümpfe in der Hand, schließlich ist das iPad Display hintergrundbeleuchtet – jenes des Kindle nicht. In der Praxis wird es aber wohl so sein: Die beiden Geräteklassen – also E-Reader und Multimedia-Tablet – existieren friedlich nebeneinander.
Stolpersteine fürs Wachstum
Unbeeindruckt vom Tablet-Boom zeigten sich die E-Book-Hersteller auf der vergangenen IFA: Etliche Firmen präsentierten neue oder verbesserte Modelle, die mit elektronischer Tinte arbeiten. Und die Menschen-Trauben vor den Geräten bestätigten, dass sie nach wie vor ein Thema sind. Laut einer aktuellen Studie von Pricewaterhouse Coopers ist der deutsche Markt ohnehin noch nicht gesättigt: Im Gegensatz zum englischsprachigen Raum, wo sich E-Reader großer Beliebtheit erfreuen, kann gerade einmal ein Fünftel der Befragten in Deutschland etwas mit dem Begriff anfangen. Die Marktforscher rechnen trotzdem mit einem Wachstum. Es wird geschätzt, dass bis 2015 rund 2,5 Millionen Geräte im Umlauf sein werden – bisher fanden Kindle und Co. nicht mehr als 80.000 Käufer.
Neben derzeit noch zu hohen Preisen für elektronische Bücher führten die Autoren auch fehlendes WLAN als Stolperstein an. Doch die Technik ist manchmal schneller als jede Studie: Die meisten neuen Modelle haben standardmäßig WLAN integriert. Mit der neuen, dritten Kindle-Generation etwa kann man deutlich komfortabler im Web surfen als beim Vorgänger. Der sorgte nämlich ausschließlich über das Mobilfunknetz für eine Internet-Verbindung.
Auch die Bedienung ist inzwischen komfortabler: Ein Touchscreen – als Standardgröße haben sich mittlerweile sechs Zoll herauskristallisiert – gehört nun zur Grundausstattung. Dazu hat sich die Qualität der Darstellung stark weiterentwickelt, die aktuelle Bildschirmtechnologie "Pearl" des Herstellers E-Ink bietet deutlich höhere Kontrastwerte sowie schnelleren Seitenaufbau.
Der Lesestoff zählt
Über Erfolg oder Misserfolg entscheiden aber vor allem die Inhalte. Doch hier scheint sich einiges zu bewegen: Etliche deutsche Handelsketten und Online-Anbieter haben auf der IFA E-Book-Offensiven angekündigt. Thalia und Bol.de haben eine Zusammenarbeit mit dem von Medion hergestellten Reader Oyo verlautbart, dieser wird ab Oktober für 139 Euro erhältlich sein. Das Internetportal Libri.de setzt dagegen auf das Lesegerät LumiRead, einer Kooperation mit Acer. Es kommt ebenfalls im Oktober in den Verkauf, allerdings zum etwas höheren Preis von rund 200 Euro. Diese Erscheinungstermine sind natürlich kein Zufall, schließlich findet vom 6. bis 10. Oktober die Frankfurter Buchmesse statt.
Vielleicht werden Anbieter von E-Readern aber noch eine Weile auf den endgültigen Durchbruch warten müssen. Die Autoren der zuvor erwähnten Studie nannten nämlich auch das Fehlen eines Farbdisplays als hinderlich für diese Geräteklasse. Doch bereits im Winter sollen erste Farb-Modelle auf den Markt kommen. Grundlage dafür sind derzeit gängige Displays mit Pearl-Technologie, über die ein Farbfilter gelegt wird. Zwar zweifelt Jeff Bezos, Chef des Platzhirschen Amazon bzw. Kindle, noch an der Marktreife von "Farbtinte", eine zufriedenstellende Qualität ist aber wohl nur eine Frage der Zeit.
Zitiervorschlag
Witold Pryjda, E-Reader : Qualitäts- und Preisoffensive soll Durchbruch bringen. In: Legal Tribune ONLINE, 16.09.2010, http://www.lto.de/persistant/a_id/1490/ (abgerufen am 21.05.2012)
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