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Wissen ist Macht – aber nur dann, wenn es auch verfügbar ist. Existiert es lediglich in den Köpfen der Angestellten, nutzt es dem Unternehmen nur begrenzt. Wissen systematisch zu erfassen und allen zugänglich zu machen, ist Aufgabe des Knowledge Management Lawyers.
"Hatten wir nicht schon mal so einen Fall?", "Gab es da nicht eine Klausel, die wir dazu entworfen hatten?" – das sind typische Fragen auf der Suche nach Informationen, von denen keiner mehr weiß, wo und wie sie gespeichert wurden. Die Suche nach dem verlorenen Wissen kostet Zeit und damit Geld. Und im schlimmsten Fall ist sie aussichtslos, weil der Wissensträger langfristig erkrankt oder zur Konkurrenz gewechselt ist. Zumindest für größere Kanzleien ist daher ein systematisches Wissensmanagement unverzichtbar.
Knowledge Management Lawyer oder auch Professional Support Lawyer (PSL) werden Juristen genannt, die sich dieser Aufgabe annehmen. Das Berufsbild ist zumindest in Deutschland noch relativ jung. "In unseren deutschen Niederlassungen hat sich das Know-how-Management in dieser Form seit etwa 10 Jahren etabliert", sagt Anke Bechtold, Head of Know-how-Management Germany bei Hogan Lovells. Die PSLs, wie sie bei Hogan Lovells genannt werden, sind standortübergreifend für jeweils eine Praxisgruppe tätig.
Die Haupttätigkeit des Juristen im Knowledge Management besteht darin, Informationen zu sammeln, zu strukturieren, auszuwerten und diese für spätere Fälle verfügbar zu machen. Dazu gehört, Dokumente der Kollegen aus der Mandatsarbeit wie Verträge, Klauseln oder Gutachten zu sichten, sie Kategorien zuzuordnen und unter Schlagworten in Datenbanken und Intranet auffindbar zu machen. Ein hervorragendes Fachwissen des Knowledge Management Lawyers ist aber nicht nur dafür unentbehrlich. Er erstellt auch Musterdokumente, verfolgt Entwicklungen in Rechtsprechung und Gesetzgebung und unterrichtet die Anwaltskollegen in Newslettern oder auf Seminaren.
Bei Clifford Chance müssen die Knowledge Management Lawyer zwei Prädikatsexamina sowie sehr gute Englischkenntnisse vorweisen können. Nicht bei allen Kanzleien muss man für diesen Bereich zwingend Volljurist oder zugelassener Anwalt sein. Bei Hogan Lovells werden bei entsprechend hoher Qualifikation auch andere juristische Abschlüsse für diese Tätigkeit anerkannt.
Gute juristische Kenntnisse sind nur eine Qualifikation, die für das Knowledge Management notwendig ist. "Wichtig für diesen Bereich sind insbesondere Eigeninitiative und die Fähigkeit, auf andere zuzugehen", sagt Anke Bechtold. Auch ein gutes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge sei wichtig, betont Prof. Dr. Thomas Gasteyer, bei Clifford Chance zuständig für das Knowledge Management Germany, vor allem aber auch "Spaß an rechtssystematischen Zusammenhängen".
Zwar nicht zwingend, aber doch von großem Vorteil für die Arbeit ist Erfahrung in der Mandatsbearbeitung. Sie hilft dabei, in der Flut von Informationen die praxisrelevanten herauszufiltern und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. "Ich würde hier aber nicht unterscheiden zwischen der Mandatsbearbeitung als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt und der Tätigkeit als Syndikus", so Prof. Dr. Thomas Gasteyer. Wesentlich sei die praktische Tätigkeit an sich.
Die Arbeitszeiten sind, weil sie mandatsunabhängig sind, eher regulär und gegenüber denen der anderen Anwälte deutlich reduziert. "Zwar gibt es auch bei uns Zeitdruck, wenn Projekte zeitgerecht abgeschlossen werden müssen", erklärt Prof. Dr. Thomas Gasteyer, das sei aber von der Intensität der Belastung her nicht vergleichbar. Auch Teilzeitbeschäftigung ist gut möglich. Einen Preis hat diese gute Work-Life-Balance: Das Gehaltsniveau liegt unter dem der operativ arbeitenden Anwälte.
